Vier Jahre Kampf für einen Traum
- Preslava Koleva
- 27. Juni
- 3 Min. Lesezeit
"Deine Eltern müssen eine eigene Konditorei eröffnen. Dieses Talent darf nicht verloren gehen."
Diesen Satz werde ich nie vergessen.
Für Außenstehende klingt das einfach: Man kann backen, also eröffnet man eine Konditorei.
Wir wussten jedoch, dass der Weg deutlich schwieriger werden würde.
Mein Vater besitzt seit 2007 einen Meisterbrief als Bäcker und einen weiteren als Konditor.
Beide hat er in Bulgarien erworben. Dafür musste er jahrelange Berufserfahrung nachweisen, Lehrgänge absolvieren und anspruchsvolle Prüfungen erfolgreich bestehen.
Deshalb gingen wir zunächst davon aus, dass seine Meisterbriefe in Deutschland anerkannt werden oder zumindest teilweise anerkannt werden könnten.
Wie naiv wir damals waren, merkten wir sehr schnell.
Damit begann ein fast vierjähriger Weg voller Anträge, Übersetzungen, Telefonate und unzähliger E-Mails.

Unsere erste Anlaufstelle war die Handwerkskammer Wiesbaden. Dort wurden wir zunächst gebeten, alle Diplome, Meisterbriefe und Ausbildungsnachweise einzureichen, damit eine erste Einschätzung erfolgen konnte.
Nach einiger Zeit erhielten wir die Rückmeldung, dass zusätzliche Unterlagen benötigt würden. Also kontaktierten wir ehemalige Schulen und Behörden in Bulgarien, ließen Dokumente ausstellen, übersetzen und beglaubigen.
Als alles vollständig eingereicht war, folgte die nächste Überraschung.
Diesmal hieß es, die Inhalte seien zwar vollständig, die Ausbildungsdauer entspreche jedoch nicht dem deutschen System.
Das Problem war: Das bulgarische Ausbildungssystem unterscheidet sich vom deutschen. Viele Voraussetzungen, die in Deutschland über eine Berufsausbildung nachgewiesen werden, werden in Bulgarien über langjährige Berufserfahrung erfüllt.
Mein Vater konnte mehr als 24 Jahre Berufserfahrung als Bäcker, über 15 Jahre als Konditor sowie viele Jahre als selbstständiger Unternehmer nachweisen.
Trotzdem reichte das zunächst nicht aus.
Durch einen Zufall erfuhren wir später von einer staatlichen Stelle in Bulgarien, die Berufsabschlüsse für die Anerkennung innerhalb der Europäischen Union bewertet.
Wir waren voller Hoffnung.
Doch dann kam der nächste Rückschlag.
Uns wurde mitgeteilt, dass die Berufe Bäcker und Konditor in Bulgarien inzwischen nicht mehr zu den zulassungspflichtigen Handwerken gehören. Deshalb konnte die benötigte Bescheinigung nicht mehr ausgestellt werden.
Für uns fühlte es sich an, als würde jede Tür, die sich einen Spalt öffnete, sofort wieder zufallen.
Zwischenzeitlich dachte meine Mutter sogar darüber nach, selbst die Prüfung für eine Ausnahmebewilligung vorzubereiten, damit wir unseren Traum nicht aufgeben mussten.
Trotz aller Rückschläge beschlossen wir schließlich, einen offiziellen Antrag auf Anerkennung zu stellen. Die Gebühren wurden sofort fällig – ohne Garantie auf Erfolg.
Vorher holten wir uns rechtlichen Rat.
Ein Anwalt erklärte uns, dass zunächst ein offizieller Bescheid notwendig sei. Erst danach könne geprüft werden, ob eine Ausnahmebewilligung oder ein anderer rechtlicher Weg möglich wäre.
Also stellten wir den Antrag.
Und zum ersten Mal seit Jahren erhielten wir keine pauschale Absage.
Stattdessen bekamen wir eine detaillierte Liste aller Unterlagen und Anträge, die tatsächlich benötigt wurden.
Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dem Ziel näherzukommen.
Wir sammelten erneut alle fehlenden Dokumente, ließen sie übersetzen und reichten schließlich den vollständigen Antrag auf Ausnahmebewilligung ein.
Dann begann wieder das Warten.
Wochen später – am 12. November 2024 – lag ein Brief der Handwerkskammer im Briefkasten.
Wir öffneten ihn mit gemischten Gefühlen.
Nach all den Enttäuschungen konnten wir kaum glauben, was dort stand.
Unser Antrag wurde genehmigt.
Ehrlich gesagt konnten wir uns in diesem Moment gar nicht richtig freuen.
Zu oft waren wir zuvor enttäuscht worden.
Erst nach einigen Tagen wurde uns bewusst:
Jetzt dürfen wir endlich anfangen.
Nach fast vier Jahren war der erste und vielleicht schwerste Schritt geschafft.
Damit begann unsere eigentliche Reise in die Selbstständigkeit.
Und rückblickend können wir sagen:
Manchmal ist der schwierigste Teil nicht die Arbeit selbst.
Sondern der Weg dorthin.










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